flz | Space #4

Ausstellung bei flz | Stahl- und Metallbau Lauterbach GmbH
Vilmnitzer Weg, 18581 Lauterbach

14. Juli bis 6. Oktober 2019

Donnerstag bis Sonntag 12 bis 17 Uhr
(Eröffnung am 13. Juli um 17 Uhr)

In der historischen Schmiede bei flz | Stahl- und Metallbau Lauterbach GmbH sind in diesem Jahr zwei Klangskupturen zu erleben. Ulrike Mundt präsentiert dort ihre Klangskulptur „Das große Klappern“. Erstmals beziehen wir auch einen Nebenraum des Backsteingebäudes auf dem Gelände des Unternehmens mit ein. Dort ist von Sara Pfrommer die Video-Sound-Installation „Abendsegeler“ zu sehen und zu hören. 14. Juli bis 6. Oktober 2019 (Eröffnung am 13. Juli um 17 Uhr)

Über einen Zeitraum von drei Jahren hat Ulrike Mundt in Mecklenburg-Vorpommern das Balzklappern von Weißstörchen aufgenommen. Dieses originale Audiomaterial wurde in einem Sample neu gemixt, so dass aus jeder der beiden Skulpturen je eine Tonspur zu hören ist. Der Sound wurde so angelegt, dass sich zwischen ihnen ein Dialog entfaltet, der sich in zufälliger Reihenfolge wiederholt. Das zweiteilige Objekt entstand in Auseinandersetzung mit dem legendären Pfeilstorch, der in der zoologischen Sammlung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock zu besichtigen ist. Auf dem Flug nach Afrika wurde dieser Weißstorch von einem Pfeil getroffen und hat diesen mit nach Mecklenburg gebracht. 1822 wurde er bei Klütz erlegt und später präpariert. So genannte „Pfeilstörche“ spielen eine wichtige Rolle in der Erforschung des Vogelzuges im 19. Jahrhundert, da sie die weiten Strecken beweisen, die diese Vögel zurücklegten.

Das große Klappern gehört zu einer Reihe von Werken der Künstlerin, die Skulpturen und Klang vereinen. Dabei kombiniert sie meist gebaute Objekte und tongebende Geräte mit elektronisch veränderten oder gesteuerten Originalaufnahmen. Während die hochglänzenden Objekte die ästhetische Konstruktion des Zweckmäßigen feiern, bricht der Sound aus ihnen hervor, wie das unterdrückte Andere der schönen Oberfläche. „Das große Klappern“ eröffnet den Denkraum einer Dystopie, in der ein Sound der Natur in sargähnliche Apparate gesperrt wird. Aus der kühlen Präsenz der Objekte, die zugleich an Klaviere und an Särge erinnern, entsteigt die melancholisch gefärbte Erinnerung an eine Naturerfahrung.

Ulrike Mundts Wandobjekt „Kleine Orgel“ täuscht die Fähigkeit Töne zu erzeugen, nur vor. Es ist ein stummes Objekt, das perfekt aussieht, doch im Kern seines Wesens versagt und Erwartungen ins Leere laufen lässt.

Während man aus dem nicht zu verortenden Off die stark verlangsamten Ortungsgeräusche von Fledermäusen hört, die die Künstlerin in einem Wald auf Rügen aufgenommen hat, sieht man auf einem Monitor grafische Umsetzung dieser Töne. Mit dieser Installation greift die Künstlerin Tatsache auf, dass sich auf dem Gelände zahlreiche Fledermäuse angesiedelt haben. Es entsteht eine Dialektik zwischen den Tönen, die unser menschliches Ohr eigentlich nicht hören kann und der kühlen Aufzeichnung im Video, das wie ein Überwachungsvideo in bewusst minderwertiger technischer Bildqualität inszeniert ist.

Die Schmiede ist ein technisches Denkmal aus rotem Ziegelstein. Das Gebäude wurde als Werkstatt genutzt, diente zeitweise der Flachsverarbeitung und war Schmiede der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). flz | Stahl- und Metallbau Lauterbach GmbH hat sich auf die Konstruktion, Fertigung und Montage architekturbezogener freigeformter Flächen aus Metall und Glas spezialisiert. Das Unternehmen hat im Militärmuseum Dresden mit Daniel Libeskind zusammengearbeitet und ist aktuell u.a. für die Neue Nationalgalerie und das Pergamonmuseum Berlin tätig.

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