STRASSE DER JUGEND

ANDREAS PLUM

Mit dieser Ausstellung stellen wir den Kölner Maler Andreas Plum erstmals in einer umfassenden Einzelausstellung im CIRCUS EINS vor.

Was haben Wachstuchtischdecken und Carrera-Rennbahnen miteinander zu tun? Sie sind Repräsentanten westdeutscher Alltagskultur und Andreas Plum, der 1977 in Erkelenz geboren ist, kennt sie vermutlich aus seiner Kindheit. Doch eigentlich stehen sich diese beiden Elemente so fremd gegenüber, wie Nähmaschine und Regenschirm im Surrealismus. Damals ging es darum, die Kunst zu erneuern und auch Andreas Plum nimmt uns mit auf eine Tour zu den Möglichkeiten der Malerei jenseits erzählerischer Strategien.

Wenn er sich mit der Malereigeschichte auseinandersetzt, collagiert er Papierschlangen in seine Bilder. In den neuesten Werken setzt er die Muster bedruckter Tischdecken ein und konterkariert sie mit Teilen einer Miniaturrennbahn, deren Teilabschnitte er als Druckformen benutzt. Das Farbschema der Tischdecken und ihr unpräzises Muster dienen dem Künstler dabei als Ausgangspunkt für gestisch-malerische Erörterungen seines Mediums. Ordnung und Eigensinn des banalen Alltagsmaterials sind der Ausgangspunkt für Bilder, die von Rhythmus und Ornament geprägt sind. Hinzugefügte Blätter und Papierbahnen schaffen teilweise reliefartige Oberflächen. Andreas Plum referiert Traditionen der Streifenbilder und des abstrakten Expressionismus‘ gleichermaßen. Ziel seiner künstlerischen Tätigkeit ist es, die konventionellen Vorstellungen darüber, was ein „gutes Bild“ ist zu durchbrechen und das Sehen zu verändern.

Wie nebenbei reagiert Andreas Plum auf den heiligen Ernst der Malerei mit Humor und einer unerhörten Geste. Mit Miniaturrennbahnen, Luftschlangen und bedrucktem Wachstuch bringt er die gegenständliche Welt in seine Bilder ein, nur um sie anschließend wieder kaputt zu machen. Die radikale Geste schafft Klarheit, denn anstatt hinter der nicht-gegenständlichen Malerei raunend um Bedeutung zu buhlen, legt er uns einfach vor, was es ist: reine Malerei.

Über den Künstler
Andreas Plum wurde 1977 in Erkelenz, Deutschland geboren und studierte 1997 bis 2004 an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Albert Oehlen und Siegfried Anzinger. 2006 erhielt er ein Gaststipendium an der Villa Romana Florenz [IT], 2012 und 2016 war er Gast im Artist-in-Residence Programm des CCA Andratx, Mallorca [ES], 2013 erhielt er ein Stipendium der Kunststiftung NRW.

Sein Werk wurde in zahlreichen Einzelausstellungen vorgestellt, u.a. in der Galerie Opdahl, Berlin und Stavanger und in der Galerie Horst Schuler, Düsseldorf, zuletzt im ak RAUM in Köln. 2015 waren Werke von ihm in der Gruppenschau „Gedanken auf Kniehöhe“ im CIRCUS EINS zu sehen. Weitere Ausstellungsbeteiligungen führten ihn u.a. zu Barbara Seiler nach Zürich [CH] (2019), in das Kunsthaus Nürnberg (kuratiert von Ludwig Seyfarth), ins Grassereins, München, zu Krinzinger Projekte Wien [A], (kuratiert von Albert Oehlen) und in den Kunstverein Konstanz. Andreas Plum lebt und arbeitet in Köln. Er wird von der Galerie Opdahl, Stavanger [NOR], vertreten.

Ausstellung im CIRCUS EINS

14.7.–25.8.2019
Donnerstag–Sonntag 12–17 Uhr