STINE ALBRECHT

Orientierungspunkte

3.7.–11.10.202

Im flz | SPACE #6 wird Stine Albrecht eine ortsspezifische Installation vornehmen, die auf das historische Werkstattgebäude, die nebenliegende Flachsbrenne und den Außenraum Bezug nimmt. Ausgangspunkt für ihre Überlegungen sind „Orientierungspunkte“. Der Begriff bezeichnet für die Künstlerin nicht nur hilfreiche Marken auf Land oder auf See, sondern im übertragenen Sinne auch persönliche Ziele, Wegweiser der gedanklichen Ausrichtung oder Ausgangspunkte für neue Vorhaben.

Die Idee für ihr Konzept entstand aus der Beobachtung, dass die Ästhetik der historischen Werkstatt ganz ohne Warn- und Hinweisschilder auskommt, obwohl dieser Ort mit seinem offenen Feuer und den leistungsstarken Maschinen aus heutiger Sicht gefährlich wäre. Als die Schmiede noch in Gebrauch war, waren Warnungen überflüssig, da die Handwerker ihre Tätigkeiten eigenverantwortlich und kompetent von Anfang bis Ende ausgeführt haben. Heute sind Arbeiter oder Arbeiterinnen nur noch teilverantwortlich in mechanisierten oder elektronisch gesteuerten Prozessen tätig – und entsprechend sind Warnhinweise notwendig geworden. Indem Stine Albrecht das Motiv der „Orientierungspunkte“ aufgreift, öffnet sie ein erweitertes Feld der Reflexion über Verantwortung, Handlungsmöglichkeiten und einen gewandelten Begriff von Arbeit.

Die Künstlerin bezieht sich auf minimalistisch und konstruktivistisch arbeitende Vorbilder der Kunstgeschichte. Doch einen prägenden Einfluss auf ihre künstlerische Haltung hat der Rügener Metallplastiker und Maler Helmut Senf (*1933). Wie dieser, nutzt sie ein zugrunde gelegtes Konzept für eine spielerische Auseinandersetzung, die Raum für zufällige Entdeckungen lässt.

Stine Albrecht ist seit 2020 als freischaffende Künstlerin auf der Insel Rügen tätig. In ihrem Atelier entstehen Skulpturen und Schmuckstücke, die intensive Gestaltungsprozess durchlaufen. Die Künstlerin sucht nach schlüssigen plastischen Formulierungen mit klaren Problemlösungen. Dabei setzt sie gerne Schere und Papier für eine „Falt-und Flächenforschung“ ein und interessiert sich für den Moment, wenn aus einer Skizze eine konkrete Form für die Umsetzung entsteht und das Ungeplante zu einer „Neuentdeckung“ führt.

Über die Künstlerin

Stine Albrecht (*1988 in Stralsund) hat an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle u.a. bei Andrea Zaumseil studiert und war Meisterschülerin von Rolf Wicker. Im Wettbewerb „Den Zahlen einen Namen geben“, der von Evangelischen Stiftung Neinstedt und der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle für einen Gedenkort ausgelobt wurde, hat sie den ersten Preis gewonnen. Im Frühjahr 2021 hat sie im Kunstraum Schwerin ausgestellt. 2021 wurde sie von Dr. Regina Erbentraut (Schloss Güstrow) für die Katalog-Reihe „Signifikante Signaturen“ der Ostdeutschen Sparkassenstiftung vorgeschlagen. Sie lebt und arbeitet seit 2020 auf Rügen.

Über den flz | SPACE

Standort der künstlerischen Intervention ist ein technisches Denkmal aus rotem Ziegelstein. Das Gebäude wurde als Werkstatt genutzt, diente zeitweise der Flachsverarbeitung und war Schmiede der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). Die Gebäudesicherung und Sanierung erfolgte 2007 mit Rücksicht auf die Geschichte, deren Spuren bis hin zur Esse, Werkzeugen und Spindschränken erhalten blieben. Seit 2016 lädt CIRCUS EINS gemeinsam mit Martin Hurtienne von der FLZ | Stahl und Metallbau Lauterbach GmbH einen Künstler oder eine Künstlerin ein, in dem historischen Werkstattgebäude eine ortsspezifische Arbeit zu realisieren. Kuratiert wird das Projekt von Susanne Burmester, die in diesem Jahr die Künstlerin Stine Albrecht von der Insel Rügen vorgeschlagen hat. Bisher waren Nándor Angstenberger, Holger Stark, Sara Pfrommer und Ulrike Mundt und Ruzica Zajec zu Gast.

Über FLZ | Stahl- und Metallbau Lauterbach

Das Unternehmen entwickelt, fertigt und montiert Konstruktionen aus Stahl, Glas, Aluminium, Edelstahl – kombiniert mit vielfältigen anderen Baustoffen. Als Schweißfachbetrieb werden modernste Materialien, Fertigungs- und Montagetechnologien eingesetzt. FLZ ist sowohl in der Architektur als auch im Maschinenbau beheimatet. Zu den ausgeführten und aktuellen Projekten gehören die Neue Nationalgalerie Berlin, die James-Simon-Galerie Berlin, das Ozeaneum Stralsund, das Militärhistorische Museum Dresden, die Propsteikirche Leipzig und das Jüdische Museum Berlin.

Weitere Informationen

www.circus-eins.de

stine-albrecht.com

www.flz-lauterbach.de